Wanderung auf dem Kungsleden von Kvikkjokk nach Abisko 1998

Freitag, 7. August

Um 16 Uhr verlasse ich mein Büro an der Uni, um in den Zug nach Berlin zu steigen. Nach 6 Stunden Fahrt komme ich in Berlin-Ostbahnhof an. Dort warten bereits Knut und Susanne, die sich nach einiger Zeit sogar voneinander lösen können, damit Knut nun zusammen mit mir in den Zug nach Malmö steigen kann. Dort haben wir ein ganz passables Liegeabteil und ich schlafe auch ganz gut, wenn auch erst auf der Fähre.

Sonnabend, 8. August

In Malmö frühstücken wir erstmal schön in einem Café, um uns dann auf die Suche nach der letzten Karte zu machen, die uns noch fehlt. Die Karten BD 6 und BD 8 habe ich bereits in Karlsruhe bestellt und bekommen, aber die BD 10 war nicht lieferbar. Das dumme daran ist nur, dass die letzte Karte, die uns fehlt, auch gleichzeitig die erste ist, die wir brauchen werden, nämlich die von Kvikkjokk nach Vietas. Wir bekommen sie schließlich in dem Buchladen Malmös, der am weitesten vom Bahnhof entfernt ist und wir verpassen noch nichtmal den Zug nach Stockholm. Dort angekommen wollen wir nochmal in die Stadt etwas essen. Wir wandern aber eigentlich nur 1km im Karree, bis wir endlich den McDonalds gefunden haben. Dann besteigen wir gegen 17 Uhr den Zug nach Narvik. Dort treffen wir noch 2 Deutsche, die sich tatsächlich von unserer Karte den Weg Nikkaluokta-Kebnekaise Fjällstation abmalen, weil sie diese Karte nicht bekommen haben. Ein mitfahrender Schwede verkauft ihnen jedoch später seine Karte dieser Gegend.

Sonntag, 9. August

Der Bahnhof von Murjek
Der Bahnhof von Murjek
Am Morgen kommen wir in Murjek an. Dort ist eine urige alte Bahnstation (oder sollte ich sagen: ein klappriger alter Bahnschuppen) mit einem Café. Dort ziehe ich mir erstmal die langen Hosen wieder an. Der Zug war sehr voll. Der Bus nach Kvikkjokk ist jedoch fast leer. Dort kommen wir um 11.30 an. Bei der Fjällstation treffen wir auf die ersten Mücken. Knut versucht erfolglos bei Susanne in Zeuthen anzurufen, während ich schonmal des Gepäck umlade, natürlich aus meinem Rucksack in den von Knut, bis beide 23,5 kg wiegen (an der Fjällstation sind praktischerweise Rucksackwagen angebracht). Um 13 Uhr wandern wir schließlich los. Wegen der vielen Mücken bleiben wir nur selten stehen, obwohl der Weg sehr nass und schlecht ist (oder einem so vorkommt, wenn man vorher im Schwarzwald über die Wanderwege geht, die sich von Straßen nur dadurch unterscheiden, dass sie nicht geteert sind [besser gesagt, nicht alle geteert sind]).
Der Start des Kungsleden in Kvikkjokk
Der Start des Kungsleden in Kvikkjokk
Die Rucksäcke sind auch ziemlich schwer und gegen 17 Uhr nach 16 km sind wir so fertig, dass wir am Stuor-Dahta-See unser Zelt aufschlagen. Wir haben dort einen großartigen Blick über den See bei wirklich sehr schönem Wetter. Wegen der Mücken ziehen wir es jedoch vor, gleich nach dem Abendbrot ins Zelt zu gehen, zumal wir die Nacht vorher im Zug nicht so gut geschlafen haben und erschöpft sind. Knut liest noch ein wenig aus dem Survival-Handbuch über Begegnungen mit Bären vor und voller Angst schlafen wir ein. Trotzdem es schon Mitte August ist, ist die Nacht noch so hell, dass man ohne Licht hätte lesen können.

Montag, 10. August

Aufstieg auf das Hochplateau
Aufstieg auf das Hochplateau
Um 8 Uhr stehen wir auf und nach dem Frühstück geht es los in Richtung Pårtestugorna. Das Wetter ist phantastisch, kleine Schäfchenwolken und blauer Himmel bei rund 20 Grad. Die Mücken sind wieder da, wenn man nicht stehenbleibt, aber erträglich. 45 Minuten, bevor wir im strammen Schritt Pårte erreichen, sagt uns eine alleinwandernde mittelalterliche Schwedin (von denen es auf dem Kungsleden übrigens eine ganze Menge gibt), dass die Hütte nur noch 15 Minuten entfernt sei. Entweder stimmt was mit unserer Wandergeschwindigkeit nicht oder mit ihrer Fähigkeit, Zeiten zu schätzen. Um 11 Uhr erreichen wir schließlich Pårte. Dort sahen wir zum ersten Mal eine der Hütten. Zu meiner Überraschung gibt es kein fließendes Wasser, sondern man holt sich das Wasser aus dem See bei der Hütte. In den Hütten gibt es Gaskocher und Holzöfen. Hier unterhalb der Baumgrenze ist das auch kein Problem. Woanders (die Mehrheit der Hütten liegt über der Baumgrenze) muss das Holz jedoch im Winter mit Scootern angekarrt werden und man sollte deshalb damit sorgfältig haushalten.
Blick auf den Tjahkkelij am Eingang des Sarek
Blick auf den Tjahkkelij am Eingang des Sarek
An der Hütte treffen wir einen Deutschen, der uns erzählt, dass es die letzten drei Wochen fast ununterbrochen geregnet habe. Das erklärt auch den schlechten Zustand des Weges am ersten Tag. Wir freuen uns, so spät gefahren zu sein (wir wollten ursprünglich 2 Wochen früher fahren), denn wir denken natürlich, dass jetzt das schöne Wetter beginnt, um die Statistik zu erfüllen, die vergleichsweise wenig Niederschlag für diese Gegend verzeichnet. Wir sollten uns noch wundern. Wir gehen gegen 12 Uhr weiter. Es geht erst durch den Wald und dann nach einem steilen Anstieg über die Baumgrenze auf einen Sattel zwischen dem Favnoajvve und dem Huornnásj. Von dort haben wir einen phantastischen Blick. Um 13.15 Uhr erreichen wir mit 880m unseren höchster Punkt für diesen Tag und gehen weiter über das Hochplateau und passieren die Schutzhütte Rittak. Dann blicken wir ins Tal des Suobbatjåhkå und auf den Tjahkkelij, der bereits der südlichste Berg von Sarekporten ist. Er sieht ähnlich aus wie der Königstein in der sächsischen Schweiz, nur gewaltiger. Der nun beginnende Abstieg zieht sich ziemlich und als wir schließlich eine Lagerplatz am reißenden Bach Suobbatjåhkå finden, ist es schon 18.30 Uhr. Der Lagerplatz liegt wieder unterhalb der Baumgrenze aber an einer Lichtung. Leider gibt es hier wieder viele Mücken. Versuche, sie mit Geruchskerzen zu vertreiben, schlagen fehl. Wir sind an diesem Tag 20 km gelaufen und einigermaßen stolz auf uns.
Das Ende eines anstrengenden Tages
Das Ende eines anstrengenden Tages
Hatten wir am Tage vorher noch Befürchtungen unseren Zeitplan betreffend, sind wir uns nun ziemlich sicher, dass wir es schaffen werden. Die Rucksäcke kommen uns längst nicht mehr so schwer vor wie noch am ersten Tag.

Dienstag, 11. August

Warten auf den Fährmann am Laitaure
Warten auf den Fährmann am Laitaure
Seit 2 Uhr nachts regnet es. Am Morgen sind wir schrecklich deprimiert, weil wir das Wetter für schlecht halten. Hätte man uns später angeboten, mit diesem Tag zu tauschen, wir hätten es sofort gemacht, aber nach dem traumhaften Vortag ist es nicht sehr schön. Um 8 Uhr gibt es Tee und Frühstück im Zelt. Als Frühstück haben wir Milchpulver und Haferfleks mitgenommen. Das ist erstaunlich schmackhaft und sättigend. Wir ziehen uns also regenfest an und packen alles zusammen: das Zelt ist ziemlich feucht, auch innen. Das ist aber alles Kondenswasser, ansonsten sind wir mit unserem Zelt, einem Tatonka Arctic 3, einem billigerem Nachbau des Hilleberg Nallo 3 sehr zufrieden. Sobald ein kleines Lüftchen weht, ist das Zelt trocken. Nur bei Windstille, und wir hatten in dieser Nacht kein Lüftchen, schlug an der Innenseite Kondenswasser nieder. Kaum haben wir zusammengepackt, hört der Regen auf. Um 9.45 Uhr verlassen wir, wieder besser gelaunt, den Lagerplatz. Um 11 Uhr erreichen wir den Laitaure, an dessen anderem Ufer die Hütte Aktse liegt. Eigentlich sollte hier jetzt mindestens ein Paddelboot liegen. An den drei Seen, die man zwischen Kvikkjokk und Abisko überqueren muss, liegen im Sommer immer mindestens auf jeder Seite 1 Boot. Benutzt man es, muss man aber dafür sorgen, dass immer noch mindestens ein Boot daliegt, ansonsten muss man drei Mal fahren, einmal hin mit einem Boot, dann zurück mit zwei Booten und dann wieder hin mit einem Boot. Jedenfalls ist kein Boot da und ich will gerade an der Schutzhütte ein Lagerfeuer anmachen, da kommt gegen 11.15 ein Motorboot und bringt jemanden an unser Ufer. Wir nutzen die Gelegenheit und fahren mit nach Aktse über den Laitaure. Das kostet saftige 80 Kronen pro Person.
Die Aktsehütten gegenüber vom Tjahkkelij
Die Aktsehütten gegenüber vom Tjahkkelij
Es ist windstill und wir genießen eine malerische Aussicht auf Sarekporten, die Sarekpforte. Sie wird von drei markanten Bergen gebildet, dem Tjahkkelij, dem Nammasj und dem Skierffe. Zwischen ihnen hindurch ergießt sich der Rapaätno in den Laitaure und bildet dabei ein grandioses Delta, welches sich jedes Jahr 5m weiter in den Laitaure vorschiebt. Gegen 11.45 sind wir dann in Aktse. Die dortigen Hüttenwarte sind wohl zwei Brüder und sehen genauso aus wie Pettersson (ja, der mit dem Kater Findus). Sie erlauben uns auch, unser Zelt zum Trocknen im Holzschuppen aufzuhängen. Im Radio heißt es, dass morgen schönes Wetter sein solle. Dann wollen wir auf den Skierffe steigen, denn von dort habe man die schönste Aussicht Schwedens, sagt man. Er hat eine fast senkrecht abfallende Wand von 600 m Höhe. Allerdings soll es auch Nachtfrost geben. Wir hoffen es, damit die Mücken ihren Odem aushauchen. Wir schlafen zum exorbitanten Preis von 240 Kronen pro Person in einem Doppelstockbett in einer Kabine, die wir noch mit einem älteren schwedischen Ehepaar teilen.

Mittwoch, 12. August

Rapadelta
Rapadelta
Der Tag beginnt nicht besonders freundlich. Wir packen trotzdem zusammen und gehen los. Nach dem Aufstieg kommen wir zu dem Abzweig zum Skierffe. Dort lassen wir unser Gepäck liegen und gehen in Richtung Skierffe. Aber nach ungefähr einer Stunde kehren wir wieder um, weil der Skierffe nun völlig in den Wolken versunken ist. Wir haben auch von hier aus noch einen schönen Blick über das Rapadelta. Auf dem Rückweg zu unserem Gepäck treffen wir noch eine Gruppe von Schweden. Sie fragen uns, ob wir auf dem Skierffe waren. Wir verneinen und sagen, es würde nichts bringen, man sähe ja sowieso nichts. Darauf erzählen sie, wie sie mal auf dem Kebnekaise das Gleiche erlebt hätten. Es kamen ihnen Wanderer entgegen, die wegen der schlechten Sicht umgekehrt waren, aber sie gingen weiter und als sie oben waren, hatten sie mit einem Mal einen phantastischen Ausblick vom höchsten Berg Schwedens.
Rudertour über den Sitojaure
Rudertour über den Sitojaure
Heute jedoch sollte das nicht klappen. Im Gegenteil kommen die Wolken immer tiefer und ein ganz feiner Niesel setzt ein. Wir gehen also durch die Wolken über einen Sattel und schließlich hinab zum Sitojaure, den wir wieder überqueren müssen. Zu unserer großen Freude liegen zwei Ruderboote da. Wir müssen also nicht 3 Mal über den See rudern. Das hätte uns wohl auch nicht besonders gefallen, denn wir brauchen schon für die einfache Tour von 4 km anderthalb Stunden. Nachdem wir auf der Nordseite des Sitojaure ankommen, wird das Wetter auch wieder besser und wir haben sogar kurze sonnige Abschnitte. Nach weiteren 7 km Wanderung bauen wir unser Zelt im Hochtal Avtsusjvagge auf. Wir befinden uns hier wieder über der Baumgrenze.

Donnerstag, 13. August

Schutzhütte Autsutjvagge
Schutzhütte Autsutjvagge
Am nächsten Morgen werden wir vom Regen geweckt, aber als wir gegen 9 Uhr aufbrechen, hört er auf. Der ganze Tag ist sehr windig, aber der Wind kommt von hinten. Trotz des starken Windes bleiben die Wolken den ganzen Tag fast unbeweglich am Himmel stehen. So sehen wir mehrere Stunden lang einen Regenbogen über dem Sjäkjo stehen, welcher wiederum die ganze Zeit in der Sonne liegt. Schon kurz nach unserem Aufbruch passieren wir mehrere Renherden mit uns ziemlich blöd anglotzenden Tieren. Nach einer Pause an der Schutzhütte Autsutjvagge kommen wir gegen 13.30 in Saltoluokta an. Dort schauen wir uns ein bisschen das Samendorf mit der Kirche an. Diese sieht von außen aus, wie ein Erdhügel mit einer Tür und einem Glockenturm daneben. Von innen sieht sie aus, wie eine Blockhütte mit schrägen Wänden. Insgesamt schon sehenswert. Wir müssen noch bis 15.30 warten, bis uns das Boot der STF über den Langas nach Kebnats bringt, und verspeisen am See noch eine Kaltschale. Zu Mittag essen wir häufig eine Kaltschale, denn sie macht satt, hat viele Kalorien und ist schnell zu bereiten, liegt aber nicht so schwer im Magen. Der einzige Nachteil ist, dass wir manchmal mit Handschuhen essen müssen, und wenn man Handschuhe trägt, ist wohl eine Kaltschale ein unpassendes Gericht.
Die Samenkirche in Saltoluokta
Die Samenkirche in Saltoluokta
Nach der Bootsfahrt fahren wir mit dem Bus von Kebnats nach Vietas, wo wir in so einer Art Motel ziemlich billig für 345 Kronen pro Person wohnen, allerdings ohne Bettzeug. Das Zimmer ist ein bisschen runtergekommen, aber sauber. Von hier aus können wir auch sehr günstig nach Hause telefonieren, für 1 Krone die Minute, was eigentlich gar nicht sein kann, aber Knut nutzt die Gelegenheit gleich und telefoniert stundenlang mit Susanne. Ich schaue währenddessen auf die Rückseiten der hier feilgebotenen Zeitungen und sehe zu meiner Enttäuschung ein übereinstimmend schlechtes Bild. Die nächsten 5 Tage soll es regnen. Wir gehen dann noch in die Sauna und danach essen wir Viltpytt, was so eine Art Bauernfrühstück mit Wildfleisch, hier vorwiegend Ren und Elch, ist, sehr salzig aber auch ziemlich schmackhaft. In dieser Nacht schlafe ich das erstemal seit Beginn des Urlaubs durch.

Freitag, 14. August

Die Hütte Vakkotavare am Akkajaure
Die Hütte Vakkotavare am Akkajaure
Als wir am nächsten Morgen aufstehen, ist erstaunlich gutes Wetter. Die Wolken hängen immer noch fest, sind aber etwas von uns entfernt so dass wir Sonne haben. Vor dem Motel lungert eine ganze Horde junger Schweden herum, die auf irgendetwas warten, und sich die Zeit damit vertreiben, sich gegenseitig ins Wasser zu werfen. Wir wandern nochmal zum Stora Sjöfallet, was so viel wie großer Seefall heißt. Er ist aber schon lange nicht mehr groß, denn der Akkajaure überhalb von ihm wurde gestaut und das Wasser wird durch einen unterirdischen Felskanal kurz hinter dem Wasserfall wieder in den Langas geleitet. Es ist aber auch so noch eine schöne Stromschnelle. Wieder zurück beim Motel sind die Schweden immer noch mit Warten beschäftigt. Wir unterstützen sie dabei, indem wir auf unseren Bus nach Vakkotavare warten. Kurz bevor er fahren sollte, werde ich doch unruhig und schaue mal nach und tatsächlich, er steht hinter dem Haus, wo wir ihn nicht sehen können, und will gerade losfahren.
Der Abstieg zum Teusajaure
Der Abstieg zum Teusajaure
Wir schaffen es aber dann doch noch. Um 13 Uhr kommen wir dann in Vakkotavare an und es geht bei schönstem Wetter erstmal 500m hinauf. Von dort haben wir einen großartigen Blick auf die Berge des Sarek und das Akkamassiv im Süden und ein Stück weiter auf dem Weg sehen wir auch schon die Berge des Kebnekaisegebietes. Wir gehen an diesem Tag gut 15km und schlagen unser Zelt am Südufer des Teusajaure auf. Das Wetter sieht jetzt nicht mehr so gut aus, es ist ziemlich windig. Wir beschließen, bei gutem Wetter den Versuch zu unternehmen, den Kebnekaise zu besteigen.

Sonnabend, 15. August

Brücke über den Kaitumjåhka
Brücke über den Kaitumjåhka
Eigentlich wollen wir heute morgen nach den Frühstück gemütlich über den See rudern, der Wind hat jedoch so stark aufgefrischt, dass wir die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens einsehen. Als wir dann auf der anderen Seite Menschen am Motorboot sehen, packen wir, die wir noch in den Schlafanzügen sind, schnell alles zusammen, und kommen dann 15 Minuten später kurz nach dem Motorboot an der diesseitigen Anlegestelle an. Wir besteigen das Boot, ich sitze ganz vorne, Knut in der Mitte und die Fährfrau ganz hinten am Motor. Sie sagt uns, dass das heute die letzte Fahrt sei, da der Wind zu stark sei. Vom anderen Ufer hätte es nicht so schlimm ausgesehen und sie sei nur deshalb losgefahren. Als wir nach einer rauen Überfahrt an den Teusajaurehütten ankommen, bin ich ziemlich trocken, Knut hat nasse Hosen und die Fährfrau ist von Kopf bis Fuß klitschnass. Wir steigen dann noch etwa 50 Höhenmeter des Anstieges hinauf, um dann an einem Wasserfall zu frühstücken. Danach ziehen wir bei sich langsam aber sicher verschlechterndem Wetter weiter zu den Kaitumjaurehütten. Dort kaufen wir, zum ersten Mal auf dieser Tour, Proviantnachschub. Ich erstehe einen Film zu dem unglaublichen Preis von 140 Kronen, die Hüttenwirtin sagt auf Nachfrage, dass es sich um einen Film für Papierbilder handle, ich schaue voller Vertrauen nicht nach und es ist natürlich ein Diafilm.
Die Mündung des Tjäktjajåkka in den Kaitumjaure
Die Mündung des Tjäktjajåkka in den Kaitumjaure
Wir machen hinter der Hütte noch einen Abstecher zur Mündung des Tjäktjajåkka in den Kaitumjaure. Dort rast der Fluss unter großem Getöse durch eine Felsenrutschbahn in den See. Da der Tjäktjajåkka ein Gletscherfluss ist, hat er ganz milchiges Wasser. Dieses mischt sich dann mit dem klaren Wasser des Kaitumjaure und gibt zusammen mit den Wirbeln ein wirklich sehenswertes Bild. Wir gehen an diesem Tag noch einige Kilometer weiter, bis wir am Stuor-Jierta, 5 km südlich der Singihütten unser Zelt aufschlagen. Am Abend essen wir zu ersten Mal ein Fertiggericht von Blå Band, welches aber nicht besonders gut schmeckt, es ist so eine Art Kartoffelsuppe. Später haben wir jedoch auch Gerichte von Blå Band, die ganz ordentlich schmecken.

Sonntag, 16. August

Knut beim Kochen
Knut beim Kochen
Die ganze Nacht Über hat es geregnet. Die Wolken hängen jetzt tief und bewegen sich schnell. Alle Bergspitzen sind in den Wolken verschwunden. Es ist ziemlich dunkel und der Regen, der kurz vor unserem Aufbruch aufgehört hatte, legt langsam wieder zu. Als wir noch 2 km von den Singihütten entfernt sind, geht der Regen richtig los und als wir an den Singihütten ankommen, sind wir von Kopf bis Fuß nass. Wir retten uns in die Hütten, als es noch nicht einmal 11 Uhr ist. Eigentlich wollen wir nach 2 Stunden weitergehen. Dann brauchen wir nur 25 Kronen pro Person als Gebühr für einen Tagesbesuch bezahlen, aber das Wetter wird schlimmer, nicht besser. Am Nachmittag ist das Wetter bereits so wüst, dass ein Weg zum 50 m entfernten Plumpsklo einem Abenteuer gleichkommt. Wir entscheiden uns also, die Nacht über zu bleiben. Noch bevor wir in die Hütte gekommen sind, sind schon zwei Osnabrücker Studenten dort angekommen. Sie kamen von Norden und wurden auch von dem schlechten Wetter in die Hütte gezwungen. Wir heizen erstmal an und essen etwas. Danach spielen wir dann bis zum Abend mit den Osnabrückern Karten. Es kommen dann auch noch recht viele, ziemlich nasse Leute in die Hütte, so dass sie gegen 20 Uhr gerammelt voll ist. Wir bewundern eine Gruppe von mittelalterlichen Schweden, die nach dem Essen packen und wieder raus in dieses wirklich abartig schlechte Wetter gehen.
Singihütte
Singihütte
Ich würde nicht mehr rausgehen, und wenn die Übernachtung 200 Mark kostete. So kostet sie auch schon schuhausziehende 50 Mark. Am Abend gibt es nochmal eine positive Überraschung. In der Hütte übernachtet auch eine Gruppe von 3 Italienern. Sie machen als Abendbrot eine wirklich tolle Pasta Funghi mit selbstgesuchten Pilzen (aus der Gegend um Abisko), die sie dann auch herumreichen. Soviel Selbstlosigkeit ist selten, wenn man alles Essen selber schleppen muss! Wir gehen dann ins warme und weiche Bett, lauschen noch ein bisschen dem Unwetter, welches draußen tobt, und sind froh, hier in der Hütte zu sein. Der Hüttenwirt der Singihütte ist übrigens offenbar der Freund der Hüttenwirtin der Sälkahütte und rennt also jeden Abend zur Sälkahütte (immerhin etwas über 10km auf einem sehr schlechtem Weg) und morgens wieder zurück, und das auch heute bei dem Wetter!

Montag, 17. August

Ankunft an der Kebnekaise Fjällstation
Ankunft an der Kebnekaise Fjällstation
Am nächsten Morgen ziehen wir gegen 11.15 los in Richtung Kebnekaise Fjällstation. Unser Plan, den Kebnekaise zu besteigen sieht nicht sehr erfolgversprechend aus. Das Wetter ist nicht viel besser als gestern. Es regnet nur nicht mehr so stark, es nieselt bloß noch. Wir gehen jedenfalls zügig durch und kommen, nachdem wir öfters nur mit Mühe trockenen Fußes über die Bäche gekommen sind, schon gegen 15.30 an der Fjällstation an. Das mit dem trockenen Fuß war natürlich nur so eine Redensart, denn wie wir feststellen müssen, sind unsere Schuhe und Füße ziemlich nass und werden dann auch schnell kalt, nachdem wir ankommen. Wir bezahlen erstmal 80 Kronen pro Person. Das berechtigt uns, vor der Fjällstation zu zelten und alle Einrichtungen zu nutzen. Diese waren im Unterschied zu den Hütten sehr reichhaltig, da die Fjällstation über Elektroanschluss und einen täglichen Hubschraubershuttle nach Nikkaluokta verfügt.
Tiefe Wolken im Ladtjovagge
Tiefe Wolken im Ladtjovagge
Dort finden sich also eine große helle(!) Küche, eine Sauna, ein Telefon (aber das ist leider in der Tagespauschale noch nicht mit drin) und ein Trockenraum. Dorthin stellen wir erstmal all unser Zeug und dann besorgten wir uns im Laden 500g Spaghetti und Soße und essen uns zum ersten Mal seit Vietas wieder richtig satt. Wir haben zwar die letzten Tage nicht gehungert, aber wir mussten auch nicht 30 Minuten nach dem Essen bewegungslos verharren, um nicht zu explodieren, wie heute. Wir kaufen uns dann auch noch ein Kartenspiel und spielen im Gemeinschaftsraum neben der Küche ein paar Zweierpatiencen. Dann gehen wir in die Sauna, die uns wieder mit dem Tag versöhnt. Ziemlich spät abends nach einigen Partien Patience gehen wir dann ins Bett in unser Zelt, welches wir vor dem Saunabesuch auf dem Pass nahe des Funkturms der Station aufgebaut haben.

Dienstag, 18. August

Brücke über den Kittelbäcken
Brücke über den Kittelbäcken
Das Wetter ist konstant schlecht und die Schuhe von Knut sind, trotzdem sie im Trockenraum stehen, noch recht feucht. Da wir keine Lust haben, den Weg zur Singihütte zurückzugehen, spielen wir kurzzeitig mit dem Gedanken, über Nikkaluokta und dann durchs Vistastal zu gehen. Knut geht es jedoch nicht besonders gut, seine Schuhe sind noch nass und wir hoffen insgeheim noch auf besseres Wetter und damit die Möglichkeit, über Tarfalla ins Vistastal zu kommen. Also bleiben wir heute lieber noch einen Tag in der Fjällstation. Es gibt für die nächsten Tage sogar eine günstige Wetterprognose. Allerdings fällt das Barometer. Jedenfalls essen wir uns richtig satt und träge und machen ein schönes Nachmittagsschlaf. Abends gehen wir in die Sauna und spielen noch ein paar Partien Patience und danach geht's ins Zelt zum schlafen.

Mittwoch, 19. August

Wasserfall des Siellajohka am Einstieg ins Singivagge
Wasserfall des Siellajohka am Einstieg ins Singivagge
Das Wetter war ja für heute günstig angesagt, es sieht aber nur mäßig aus. Tiefe Wolken hängen im Tal und sorgen für eine sehr endzeitliche Stimmung. Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage wieder jede Menge Wolken vorraus und so beschließen wir schließlich, zurück zum Kungsleden zu gehen, aber nicht nach Singi, sondern durchs Singivagge, südlich des Tolpagorni, wie es auch in unserem Kungsleden-Reiseführer empfohlen wird. Mit uns zusammen verlässt auch ein Zug von schwedischen Jungsoldaten die Fjällstation. Auf Nachfrage bestätigen sie, auf den Kebnekaise zu wollen, ich glaube jedoch kaum, dass sie das auch gemacht haben. Alle geführten Besteigungen sind jedenfalls für diese Saison bereits eingestellt, da die Spitze schon tief verschneit und vereist ist. Kurz danach treffen wir zwei Deutsche, die in Sandalen laufen, sie berichten uns, dass einige Watstellen auf uns warteten und fragen, ob in ihrer Richtung noch mehr kämen. Da sie ziemlich verfroren aussehen, sagen wir ihnen, dass sie es von hier aus trockenen Fußes schaffen würden. Wenig später kommen wir dann auch an die angekündigte Watstelle. Vorgestern konnten wir sie noch, wenn auch mühsam, mit unseren Wanderschuhen überqueren. Heute geht das definitiv nicht mehr. Da der Bach Siellajohka an dieser Stelle jedoch sehr flach ist und wir keine Lust haben, unsere anderen Schuhe nass zu machen, gehen wir barfuß durch den Bach. Das ist jedoch im Allgemeinen keine gute Idee und nicht zur Nachahmung empfohlen. Wir verlassen dann kurze Zeit später den Wanderweg nach Singi und gehen ins Singivagge auf den Wasserfall des Siellajohka zu.
Das Singivagge
Das Singivagge
Auf dem Weg dorthin waten wir über eine große Strecke durch sumpfiges Gelände und stellen fest, dass wir uns die Mühe, vorhin die Schuhe auszuziehen, hätten sparen können, da sie jetzt sowieso ziemlich feucht geworden sind. Im Tal angekommen, erwartet uns ein sehr imposanter Blick auf den Wasserfall, nur fragen wir uns, wie wir an ihm vorbei weiter hoch in das Tal kommen sollen. Kurz vor dem Wasserfall stolpere ich auch noch auf einem sich mit 45 Grad schräg zum Bach neigendem Geröllhang und zerreiße mir dabei meine Hose, aber außer dem Schreck ist zum Glück nichts passiert. Das wäre auf diesem Geröllfeld auch extrem unpraktisch gewesen. Schließlich kommen wir über einen halsbrecherischen Pfad über nasses Gestein nördlich am Wasserfall vorbei, wir sind jetzt völlig in den Wolken und sehen nur noch manchmal eine Steinpyramide, die uns den Weg weist. Dazu donnert fast senkrecht unter uns der Wasserfall. Abwärts hätte ich diesen Weg mit unserem Gepäck nicht gehen wollen. Das Tal, dass uns nach dem Aufstieg erwartete ist jedoch wirklich grandios, wenn auch von einer erschreckenden Kargheit, man kommt sich vor wie auf einer Steinhalde, fast keine grünen Flecken sind zu sehen, nur ein stiller See in der Senke zwischen gewaltigen Bergen. Das ganze sehen wir jedoch erst, als sich die Wolken heben, vorher tasten wir uns vorsichtig am See entlang tiefer ins Tal. Das Singivagge ist voller Blockfelder und das macht uns das Leben ziemlich schwer, denn man muss höllisch aufpassen, dass man nicht abrutscht, weil dann mit Sicherheit was wichtiges gebrochen ist, besonders, da durch den Rucksack der Schwerpunkt recht hoch liegt. Schließlich erreichen wir den Westausgang des Tales und sehen das Tjäktjavagge vor uns. Dort zelten wir bei der Schutzhütte Kuopertjåkka. Diese ist zu unserer großen Freude frisch geheizt, so dass wir dort im Warmen essen, eine Partie Patience spielen und über Nacht unsere ziemlich nassen Schuhe trocknen können. Wir treffen dort noch zwei Berliner, die in einigen Abstand zelten. Mit ihnen unterhalten wir uns noch eine Weile, bevor wir müde in unseren Schlafsack sinken.

Donnerstag, 20. August

Die Sälkahütten
Die Sälkahütten
Als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt kriechen, scheint draußen die Sonne und unsere Schuhe sind über Nacht in der Schutzhütte fast vollständig getrocknet. Da wir mit beidem nach den vergangenen 4 scheußlichen Tagen wirklich nicht gerechnet hatten, fühlen wir uns ziemlich gut. Wir gehen nach einem gemütlichen Frühstück in Richtung Tjäktja-Pass los. Den Aufstieg dort bewältigen wir eigentlich auch ganz gut, wir haben jetzt schon Routine mit unseren Rucksäcken. Oben angekommen bietet sich uns ein bemerkenswerter Kontrast, auf der Südseite sieht man das sonnenbeschienene, grüne, man ist fast versucht zu sagen, liebliche Tjäktjavagge, auf der anderen Seite jedoch liegt das dunkle, nur mit grauen Steinschotter angefüllte Tjäktjatjattja.
Der Tjäktja-Paß
Der Tjäktja-Paß
Das dort keine Sonne hinscheint, ist zwar nur Zufall, aber sehr bezeichnend. Das Tal wird jedoch später etwas weniger unwirtlich und nach 3 km zelten wir dann ca. 1 km vor den Tjäktjahütten am Tjauftjanjira. Knut will am Abend nochmal einen kleinen Ausflug auf den Muoratistjåkka machen, aber da er schon größere Probleme hat, den Bach zu überqueren, kommt er nicht so weit.

Freitag, 21. August

Schneefelder bei den Tjäktjahütten
Schneefelder bei den Tjäktjahütten
Heute sieht das Wetter wieder schlecht aus, es regnet leicht und es ist ziemlich kalt. Wir bleiben einfach lange im Schlafsack und beschließen, heute nichts mehr zu machen. Wir spielen ein paar Runden Patience im Zelt und machen am Nachmittag, als der Regen aufhört, nochmal einen Ausflug auf den Muoratistjåkka. Der Aufstieg dorthin geht einen steilen (bis zu 45 Grad), teilweise bewachsenen Geröllhang hinauf.
Lagerplatz in der Nähe der Tjäktjahütten
Lagerplatz in der Nähe der Tjäktjahütten
Von dort haben wir eine prima Aussicht in Richtung Westen bis nach Norwegen und nach Norden auf den Alesjaure. Nach dem Abstieg machen wir einen Tagesbesuch auf Hütte, wo wir unsere mitgenommenen Tütenspaghetti kochen und verspeisen. Dann spielen wir noch ein paar Runden Patience. Knut schlägt mich mit 7 zu 1. Er hat bestimmt geschummelt...

Sonnabend, 22. August

Alesjaurehütten
Alesjaurehütten
Am nächsten Morgen kommen wir wieder erst um 10.30 aus den Startlöchern, haben aber passables Wetter. Wir machen an der Brücke über den Bossusjohka Pause und gegen 14.45 Uhr kommen wir, kurz nachdem es zu regnen beginnt, bei den Alesjaure-Hütten an. Die Hüttenwarte dort sind laut Zettel am Kiosk gleich wieder da, im Moment aber in der Sauna.
Unser Zelt vor der Alesjaure Sameviste
Unser Zelt vor der Alesjaure Sameviste
Die hiesige Holzbeheizte Sauna ist in diesem waldlosen Gebiet natürlich etwas ganz besonderes. Wir entschließen uns jedoch gegen eine Übernachtung in dieser Hütte und verpassen deshalb auch die Sauna. Nach kurzer Wartezeit kommt dann eine der Hüttenwärterinnen und verkauft uns allerhand Sachen, vorwiegend Schokolade. Wir machen uns in einer der Hütten ein schönes Mittag, spielen noch ein bisschen Karten und ziehen gegen 18 Uhr weiter. Nach ca 1,5 km in Richtung Vistastal zelten wir bei der Alesjaure Sameviste.

Sonntag, 23. August

Brücke über den Mårmajåkka
Brücke über den Mårmajåkka
Heute wollen wir eine Tagestour ohne Gepäck ins Vistastal unternehmen. Gegen 9 Uhr gehen wir los und lassen unser Zelt stehen. Wir steigen erst ein paar Meter hoch um dann langsam ins Tal hinunter zu steigen. Dort kommt ein reißender Bach, der Mårmajåkka, von Norden her ins Tal. Wir überqueren ihn auf einer der hier überall verwendeten Hängebrücken aus Stahl. An einer reißenden Stelle diskutiere ich mit Knut über die Möglichkeit, durch den Fluss zu waten.
Im Vistastal
Im Vistastal
Nach einem kleinen Versuch mit einem 20kg-Stein, den ich in den Bach werfe, und der, als wäre er Papier, davongerissen wird, stellen wir die weitere Diskussion darüber ein. Wir genießen lieber, ohne Gepäck wandern zu können. Allerdings muss man sagen, dass ein Aufstieg ohne Gepäck nicht soviel leichter ist, wie man denkt, wenn man ihn mit Gepäck macht. Wir treffen auch noch ein paar Wanderer, die uns allesamt ziemlich entgeistert anstarren, denn ein Wanderer ohne Gepäck sieht man hier ähnlich selten, wie ein Auto, nämlich eigentlich nie. Gegen 12 Uhr beginnt es, leicht zu nieseln. Wir drehen bald darauf um, als wir etwa in der Höhe des Påssustjåkka sind. Auf dem Rückweg klart es wieder auf und wir sind wieder trocken, als wir an unserem Zelt ankommen. Abends gegen 22 Uhr fängt es richtig an zu regnen.

Montag, 24. August

Brücke über den Siellajohka
Brücke über den Siellajohka
Die ganze Nacht über hat es geregnet und gestürmt, und zwar richtig. Der Regen ist wie in einem fortwährendem Gewitterschauer, dicke Tropfen, die laut aufs Zeltdach schlagen, so dass man denkt, dass es gleich vorbei sein müsse. Es geht aber immer so weiter, und da nun auch langsam die Zeit für uns knapp wird, entschließen wir uns gegen 11.30 schweren Herzens zusammenpacken. Es ist kaum noch Wind, aber Regen, Regen, Regen. Wo 10 Meter neben unserem Zelt am Abend vorher noch eine Wiese gewesen ist, fließt jetzt ein quicklebendiger Bach. Da hier in Lappland Permafrostboden ist, der ab 1,5m Tiefe das ganze Jahr über gefroren ist, gehen Regen und Schmelzwasser immer sofort in die Bäche und Flüsse. Man sollte deshalb sein Zelt niemals zu dicht an Bächen aufstellen, da diese innerhalb kürzester Zeit stark über die Ufer treten können. So ist der Bach 50m südlich unseres Zeltes, der am Vortag noch problemlos zu überqueren war, nun faktisch unpassierbar. Wir folgen dem Bach bergan in der Hoffnung, dort eine bessere Stelle zu finden, kehren aber bald wieder um, und versuchen es dann im Delta des Baches an seiner Mündung in den Alesjaure. Dort experimentieren wir mit Müllsäcken, die wir über die Schuhe ziehen und festhalten, während wir den Bach überqueren. Das geht aber nur zur Hälfte gut. Unsere Schuhe sind jedenfalls klatschnass, als wir auf der anderen Seite ankommen, wobei es Knut schwerer getroffen hat als mich. Wir passieren kurz danach wieder die Alesjaurehütten, aber wir wagen nicht, dort einzukehren, denn wir wissen nicht, wie das Wetter morgen wird und übermorgen um 17 Uhr fährt unser Zug. Kurz hinter den Hütten treffen wir auf einen Schweden, der uns eine knietiefe Watstelle wenig später ankündigt. Er hat natürlich Recht, und all unsere Versuche des Selbstbetrugs, unsere Schuhe könnten sowieso nicht mehr nasser werden, als sie ohnehin schon sind, brechen unter dem feuchten Druck der Realität zusammen: Sie können sehr wohl und sie werden. Wollten wir ursprünglich noch an der Schutzhütte am Radujavri eine Pause machen, lassen wir diesen Gedanken bald fallen, denn jedes Stehenbleiben führt dazu, dass die Füße nicht mehr nur feucht und kühl sind, sondern eiskalt werden. Wir sind also gezwungen, den ganzen Tag im strammen Schritt durchzulaufen, um keine kalten Füße zu bekommen. Knut hat bis jetzt noch die Hoffnung, in die Kieronhütte zu kommen, die eigentlich gar nicht bewirtschaftet ist, für die man aber den Schlüssel in den benachbarten Hütten bekommt (also in den Alesjaure- und Abiskojaurehütten).
Ein versöhnlicher Morgen an den Abiskojaurehütten
Ein versöhnlicher Morgen an den Abiskojaurehütten
Ich bin jedoch nicht sehr davon überzeugt, will ihm aber auch nicht seinen Glauben nehmen, liegt doch die Kieronhütte noch 4 km vor den Abiskojaurehütten. Später erklärt er seine Schweigsamkeit am heutigen Tag damit, die Schritte gezählt zu haben... Jedenfalls hört langsam der Regen auf und es fängt sogar an aufzuklaren. Es gibt zwar immer noch Plankenwege, die gut 10 cm unter der Wasseroberfläche sind, was man natürlich erst nach dem Rauftreten merkt, da sie ansonsten aufschwimmen, aber es wird langsam aber sicher richtig angenehm, sieht man mal von den nassen Schuhen ab. 3 km vor den Hütten, die Kieronhütte haben wir links (besser gesagt: rechts) liegenlassen, überqueren wir einen Bach, der durch den Regen in einen reißenden Fluss verwandelt ist. Die Lücke zwischen Brücke und Fluss ist nur noch wenige Zentimeter groß. Gegen 17.30 Uhr kommen wir in den Abiskojaurehütten an. Wir bezahlen 60 Kronen pro Person und übernachten im Zelt, könne aber alle Einrichtungen der Hütte mitbenutzen, z.B. den Trockenraum, für den wir gute Verwendung haben. Unsere Rucksäcke sind nämlich auch gleichmäßig, wenn auch nur leicht, durchfeuchtet. Wir bauen vor dem Kochen noch das Zelt auf, damit es trocken ist, bis wir ins Bett gehen. Das aus dem Fluss kommende Trinkwasser ist durch die durch den Regen erzeugte Überschwemmung so trübe, dass es für Knut besser ist, dass ich koche und er es nicht sehen muss. Wir sind glücklich, diesen Tag, an dem wir immerhin 24 km gewandert sind, so passabel hinter uns gebracht zu haben.

Dienstag, 25. August

Brücke über den Abiskojaure
Brücke über den Abiskojaure
Heute ist also unser letzter Wandertag. Wir rechnen nicht mehr mit größeren Problemen, es sind nur noch wenige Kilometer bis Abisko. Allerdings wurde uns gestern von Wanderern aus Richtung Abisko die längste Watstelle Schwedens angekündigt. Davon ist jedoch nichts mehr zu merken: So schnell wie das Wasser gekommen war, ist es auch wieder verschwunden. Sogar das Trinkwasser aus dem Fluss ist jetzt wieder klar und sauber. Wir gehen also nach einem gemütlichen Frühstück los und holen die Pausen, die wir gestern auslassen mussten, nach. Bald kommen wir in Abisko am Torneträsk an, oder genauer gesagt an der Abisko Turiststation, einer großen Einrichtung der schwedischen Touristenvereinigung STF.
Stromschnelle des Abiskojåkka
Stromschnelle des Abiskojåkka
Dort ist ein ziemlich mieser Zeltplatz mit einem trostlosen Versorgungsbau. Das ist hier wirklich das schlechteste Quartier der ganzen Tour. Wir haben nachher zwar noch die Küche der Selbstversorger in den Unterkünften gefunden und benutzt, aber die wurde uns an der Rezeption nicht genannt. Da waren alle anderen Hütten wirklich um Längen besser. Nach der Sauna und einem Mahl, bei dem wir zwei Jenenser treffen, die mit dem Rad aus Finnland kommen, gehen wir nochmal in den Fernsehraum und schauen eine japanisch/chinesische Koproduktion mit schwedischen Untertiteln, die ich für Knut simultan übersetze: Das ist spaßiger als Monty Python. Dann gehen wir ins Bett.

Mittwoch, 26. August

Das Ende des Kungsleden in Abisko
Das Ende des Kungsleden in Abisko
Heute also soll es in Richtung Heimat gehen. Wir packen unser Zelt zusammen, dass leider nochmal etwas feucht geworden ist, und das in Abisko, dem mit 300 mm Jahresniederschlag trockensten Ort in Schweden. Wir hängen es dann in den Trockenraum und wenig später ist es auch wirklich trocken. Wir gehen dann noch in das lokale Naturum, das interessante Einblicke in die lokale Fauna, Flora und Geologie bietet.
Abisko Fjällstation vor Torneträsk
Abisko Fjällstation vor Torneträsk
Wir vertreiben uns die Zeit mit Fernsehen (Es kommt "Nigth on Earth" von Jim Jarmusch), Kochen, Essen und Karten spielen. Als dann der Moment der Abfahrt naht, packen wir zusammen und gehen zum Bahnhof.

Anmerkung

An dieser Stelle brechen die Aufzeichnungen ab. Der verwaschene Text auf dem wasserwelken Papier lässt ein tragisches Ende der Unternehmung vermuten. Andererseits gibt es Gerüchte über einen erfolgreichen Abschluss mit kleineren Problemen, sich wieder an zivilisierte Zustände zu gewöhnen. Die Teilnehmer sollen gesichtet worden sein, wie sie etwa eine Stunde nach der Abfahrt eines Zuges scheinbar guter Dinge völlig einsam auf dem Bahnhof von Abisko saßen. noch unwahrscheinlicher klingt aber, dass zumindest ein Expeditionsmitglied versucht haben soll, sich in Göteborg im eisigen Wasser des Kattegatt zu ertränken.

Neuigkeiten

Wie kürzlich bekannt wurde, sind die restlichen Aufzeichnungen der Expedition aufgefunden worden.