Die Rückfahrt von AbiskoMittwoch, 26. August
Wir kommen gegen 17.20 Uhr zum Bahnhof. Unser Zug soll um 17.43 Uhr
fahren. Wir haben also noch ein wenig Zeit und gehen nochmal zu einem
Museumsdorf mit diversen samischen Gebäuden. Zurück auf dem Bahnhof
sind wir ein wenig verwundert, dass offenbar niemand außer uns mit dem
Zug fahren will, erklären es uns aber mit der späten Jahreszeit. Gegen
17.40 schaut Knut auf die Bahnhofsuhr und meint, sie würde 18.10
anzeigen. Ich werde jedoch erst unruhig, als er sagt, dass auch die
zweite Uhr im Bahnhofsgebäude diese Uhrzeit anzeigt. Kurz und gut:
Unser Zug ist weg und meine Uhr geht eine dreiviertel Stunde nach. Da
sie sonst sehr genau geht, kann ich es mir nur damit erklären, dass
beim ständigen Rucksack auf- und absetzen die Krone versehentlich
raus- und später wieder reingerutscht ist. Unserer letzter Kontakt mit
der zivilisierten Zeit war der Bus von Vietas nach Vakkotavare, also
ganze 12 Tage her.
Irgendwann während dieser Zeit haben wir eine dreiviertel Stunde
verloren (oder besser gesagt gewonnen, verloren haben wir sie jetzt
hier.) Dass wir das nicht gemerkt haben, zeigt wie sehr wir Urlaub
hatten. Nun jedenfalls sind wir erstmal extrem schlecht gelaunt, da
der nächste Zug erst wieder morgen fährt, und wir keine Lust mehr
haben, nochmal unser endlich trockenes Zelt aufzubauen. Wir gehen
deprimiert zur Turiststation zurück und mieten uns in ein
4-Bett-Zimmer ein. Dann ist mir alles egal und ich lade Knut im
Restaurant der Station zu einem sehr leckeren Fischgericht ein, über
dessen Preis ich mich lieber ausschweige. Nachdem wir Lotta angerufen
haben, dass wir nicht morgen, sondern erst übermorgen kommen, gehen wir
an diesem Abend dann noch an den Torneträsk und schauen uns den Canyon
des Abiskojåkka an. Beides ist sehr imposant. Nach einer Überdosis
Fernsehen gehen wir gegen Mitternacht ins Bett.
Donnerstag, 27. August
Heute müssen wir uns erstmal um unsere Fahrt kümmern. Wir gehen also
zum Bahnhofshäuschen. Dort sitzt auch tatsächlich eine Dame und staunt
auch nicht schlecht, als ich unsere Geschichte erzähle. Sie sichert
uns ihre Unterstützung zu, hat jedoch keinen Computer und muss deshalb
alles per Telefon erledigen. Sie verspricht uns, dass sie eine Stunde
später sicher fertig sei. Wir beschließen, die Zeit zu nutzen und mit
dem Sessellift auf den Slåttatjåkka zu fahren. An der Talstattion ist
bis auf den Liftbetreiber kein Mensch zu sehen und auch der Lift ist
völlig unbesetzt. Wir bezahlen je 45 Kronen und fahren hinauf. Von
dort hat mein ein schönen Blick über den Torneträsk und auf den Abisko
Nationalpark. Da die Fahrt mit dem Lift jedoch länger dauerte, als wir
dachten und wir gleich wieder zum Bahnhof müssen, haben wir nur kurz
Zeit, die Aussicht zu genießen. Die Rückfahrt war für mich noch
etwas mit Adrenalinausstoß verbunden, da ich nicht schwindelfrei bin
und wir doch einmal ziemlich rasant über eine Felskante nach unten
gefahren sind. Das war bei der Hochfahrt wesentlich angenehmer. Wieder
am Bahnhof angekommen müssen wir feststellen, dass der Zug um 12 Uhr
schon voll ist und wir also doch nur mit dem Zug um 17 Uhr, wie
gestern eigentlich geplant, fahren könne, Allerdings müssen wir die
Fahrkarten bar bezahlen, die alten Karten bekommen wir jedoch nicht
hier erstattet (es gibt sowieso nur 75% zurück), da sie mit
Kreditkarte bezahlt sind und die Rückerstattung dann nur per
Computer, den es ja hier nicht gibt, möglich ist. Wir müssen jetzt, da
unser Bargeld knapp ist, nochmal zur Turiststation gehen und deutsches
Geld tauschen. Als wir das Geld für die Rückfahrt zusammen haben, sind
wir bis auf ein paar Mark deutsches Geld und ein paar Kronen
schwedisches Geld pleite. Das Zimmer können wir glücklicherweise per
Kreditkarte zahlen. Wir versuchen zu vermeiden, uns vorzustellen, was
passiert wäre, hätte unser Bargeld nicht gereicht. Wir gehen jetzt
natürlich schon sehr viel früher an den Bahnhof und heute stehen im
Gegensatz zu gestern auch einige andere Passagiere dort. Der Zug kommt
halbwegs pünktlich und wir steigen ein. Wir hatten keine
Liegewagenplätze mehr bekommen, deshalb ist die Fahrt ist ziemlich
ungemütlich.
Freitag, 28. August
Wir kommen bei schönstem Wetter in Stockholm an. Ich lasse mir die
Fahrkarte erstatten, wir essen ein wenig Fastfood, Knut versucht Geld
abzuheben (was ihm wegen der lange Schlage am einzig offenem
Geldautomaten nicht gelingt) und wir setzen uns in dem X2000 nach
Göteborg. Dort gegen 15 Uhr angekommen bringen wir erstmal unsere
Sachen zu Lotta und Janne und ziehen dann nochmal los durch die
Stadt. Ich zeige Knut das Zentrum, Haga, Lilla Bommen etc. und gegen
20 Uhr gehen wir wieder zu Lotta. Dort ist in der Zwischenzeit ein
fürstliches Mahl, bestehend aus Räkor (Schrimps), Aioli
(Knoblauchmajonäse) und Weißbrot aufgetischt. Wir essen uns richtig
satt und fahren nochmal in die Stadt, wo wir uns um 23 Uhr den Film
'Sliding Doors' anschauen. Da geht es um eine Frau, die zwei
Geschichten parallel erlebt, in der ersten hat sie den Zug verpasst, in
der zweiten hat sie ihn gerade noch bekommen. Wir hatten unsere
private Geschichte vom verpassten Zug nur in der ersten Variante.
Sonnabend, 29. August
Heute machen wir nochmal einen kurzen Ausflug nach Asperö. Es ist
wieder sehr schönes Wetter. Ich gehe nochmal im Kattegatt (welches in
diesem Jahr wirklich sehr kalt ist) baden. Dann hat uns Janne nochmal
ein schönes Mittag gemacht und wir fahren mit unseren wieder prallen
Rucksäcken beladen (Wir haben nochmal Fisch und ich einige Bücher
gekauft) zum Bahnhof, wo wir uns verabschieden, um endlich gen Heimat
zu fahren. In Malmö haben wir nur kurz Aufenthalt. Im Zug nach Berlin
haben wir wieder einen Liegewagen.
Sonntag, 30. August
Wir kommen sehr früh in Berlin an. Meine Eltern holen mich am Bahnhof
Zehlendorf von der S-Bahn ab. Ich bade den halben Tag und abends fahre
ich zurück nach Karlsruhe. Der Urlaub ist zu Ende und morgen muss ich
wieder arbeiten gehen....
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